
Ein Bericht von Jan Kus, Geschäftsführer von Railslove.

RCS World Tour 2026 in Paris: Was ich mitgenommen habe
Nächster Stopp auf meiner eigenen RCS World Tour: Paris. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach Berlin. Damals: Google-Office in der Tucholskystraße, ein deutscher Referenzkunde (METRO), ein Telko-Panel. Jetzt: die alte Pariser Börse, über 150 Entscheider aus ganz Europa, ein halbes Dutzend Marken auf der Bühne. Wer wissen will, wie schnell sich RCS bewegt, muss nur diese beiden Tage nebeneinanderlegen.
Das Format
Google hat am 16. September zum einzigen europäischen Stopp seiner RCS World Tour 2026 eingeladen – neben New York, Gurugram und São Paulo. Location: das Palais Brongniart, die alte Pariser Börse. Ein Haus, in dem früher Kurse gehandelt wurden, jetzt mit RCS-Bannern zwischen den Säulen. Passt irgendwie.
Ein voller Saal, moderiert von Josh Pepper, Head of Product RCS bei Google, der mit Alastair Slattery eröffnet hat. Statt Frontalprogramm gab es Breakout-Sessions zu drei Fragen, die uns bei Railslove täglich beschäftigen: Wie funktioniert Marketing über RCS? Wie skaliert man den Kanal? Und was hat Google mit RCS eigentlich vor?

Die These der Keynote: Reichweite war gestern
Die Keynote hat den Rahmen gesetzt, und zwar ziemlich klar: SMS war ein Reichweitenkanal. Die Inbox wurde wie eine Plakatwand behandelt, Vertrauen geliehen statt aufgebaut, und am Ende steht Spam-Müdigkeit. RCS soll das Gegenmodell sein – weg vom Billboard, hin zur Beziehung. Oder in Googles Worten: Es ist Zeit, aus Beziehungen Ergebnisse zu machen. Ein Tap, keine App.

Das klingt nach Marketing-Sprech, trifft aber einen echten Punkt. Wer RCS nur als schönere SMS für Massenversand denkt, wird genau die Probleme reproduzieren, die SMS kaputt gemacht haben. Die interessanten Cases funktionieren anders.
Auf der Bühne: die Nachfrageseite spricht
Was Paris von Berlin unterschied: Hier haben Marken selbst erzählt, nicht nur Google und die Aggregatoren. Quick über eine Disney-Kampagne mit 87 % Öffnungsrate und 15 % Engagement. Renault. NHS UK über den Umstieg von SMS auf RCS – nicht wegen Rich Media, sondern wegen Verified Sender: Patienten sollen sehen, dass die Nachricht wirklich vom Gesundheitsdienst kommt. Groupe Clarins über einen verdreifachten Umsatz aus dem Kanal. Dazu Domino’s mit Bestellung direkt aus der Suche und Freenow mit Echtzeit-Kommunikation zu Fahrten.
Die Zahlen, die im Raum kursierten: Frankreich soll bis 2029 auf 21,5 Milliarden RCS-Nachrichten kommen, europäischer Spitzenwert. 84 % der Handsets sind RCS-fähig, das Kampagnenvolumen liegt 75 % über dem Vorjahr. Im Länder-Ranking der Partner-Session lag Frankreich vorn, UK und Deutschland dahinter.
Eine Einordnung dazu, weil sie mir wichtig ist: Das sind Zahlen der Anbieter, optimiert für bestimmte Märkte und Use Cases. Wer RCS ernsthaft plant, sollte mit Delivery Rates rechnen, nicht mit Read Rates – Lesebestätigungen sind auf iOS standardmäßig aus. Beeindruckend sind die Cases trotzdem. Nur eben als Beleg dafür, was geht, nicht als Benchmark.
Die Use Cases aus dem Programmheft
Google hat zum Event eine eigene Case-Study-Publikation aufgelegt. Ein paar Fälle, die hängengeblieben sind:
Was auffällt: Das sind keine Notification-Kanäle mit hübscheren Bildern. Das sind echte Dialoge mit Commerce-Anbindung, Loyalty und KI dahinter.
Der eigentliche Hebel: Google Search als Einstieg
Der strategisch wichtigste Punkt war ein unscheinbarer. Google positioniert RCS zunehmend als Kanal, in den Kunden selbst einsteigen – direkt aus der Suche und neu auch aus Maps. Wer nach einer Marke sucht, kann ihr mit einem Tap eine Nachricht schreiben, statt auf einer Website zu landen, die im Schnitt jeden zweiten Besucher gleich wieder verliert. Für Haas F1 soll das in UK bald live gehen.
Das dreht die Logik um. Bisher denken die meisten bei RCS an Outbound. Inbound aus der Suche macht RCS zu einem Kanal, in dem Kunden den ersten Schritt machen. Wenn das in Deutschland ankommt, wird es für Marken relevant, die heute noch gar nicht über Messaging nachdenken.
Networking
Zum Abschluss ein Mentalist, der ein paar ziemlich unerklärliche Nummern abgezogen hat, dann Networking bei Drinks. Gute Gespräche mit Carmen Rohr und Alexander Santl über den deutschen Markt, mit Dietmar Berghof (NetSfere), den ich nach vielen digitalen Kontakten endlich persönlich getroffen habe, mit Josef Grabner (LINK Mobility) und Wojtek Wdowiak (Sinch) über die Aggregator-Perspektive. Genau die Mischung, die solche Tage wertvoll macht.
Was Google will
Klar ist: Google meint es ernst. Vier Städte auf vier Kontinenten, eine historische Börse als Kulisse, eigene Case-Study-Publikation, Product-Team auf der Bühne. Das ist kein Nebenprojekt mehr.
Mein Fazit
RCS bewegt sich. Und der Blick nach Frankreich zeigt, wie viel gerade international passiert, während wir in Deutschland noch über Carrier-Verträge und Volumengrenzen sprechen. Deutschland liegt im europäischen Vergleich hinter Frankreich. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern der Abstand, den wir aufholen wollen. Genau deshalb bauen wir mit RCS-Box und SendPling die Infrastruktur, mit der deutsche Unternehmen solche Use Cases umsetzen können, ohne bei null anzufangen.
Wer sich austauschen will: Ich freue mich über Nachrichten. Gern auch per RCS.
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