Wir sind Tim und Jan, die CEOs von Railslove. Wir sind Freunde, denken nicht in Rängen oder Karrierestufen. Kontrolle, autoritäres Verhalten oder klassische Machtstrukturen hatten bei uns nie einen Platz. Seit unserer gemeinsamen Studienzeit war uns vor allem eines klar: Führung bedeutet für uns nicht Hierarchie.
Begegnung auf Augenhöhe, Vertrauen und Freundschaft fühlten sich selbstverständlich an – lange bevor Begriffe wie New Work oder Modern Leadership allgegenwärtig wurden.
Doch Ende 2019 veränderte sich etwas. Uns fehlte der Drive. Stress, Erschöpfung, permanenter Zeitmangel und stagnierendes Wachstum machten sich bemerkbar. Nicht im Sinne von Umsatz oder Teamgröße, sondern in Bezug auf Ambitionen, Ziele und spannende Herausforderungen, die uns als Team wirklich weiterbringen.
Wir brauchten Orientierung – und Entlastung. Da es niemanden „über“ uns gab, suchten wir Unterstützung in einem vertrauten Kreis von Unternehmer:innen, mit dem wir uns seit Jahren austauschen. Dort hörten wir erstmals von einem Führungscoaching, das „anders“ sein sollte.
Führungscoaching? Allein der Begriff löste bei uns Widerstand aus.
Geht es um Methoden? Checklisten? Noch mehr Business-Know-how? Hierarchie? Oder wird es esoterisch?
Fakt war: Es musste sich etwas verändern. Und als Anfang 2020 der Lockdown kam, dachten wir: Jetzt oder nie.
Es gab keine Tools, keine Frameworks und keine Patentlösung. Stattdessen begann eine intensive Auseinandersetzung mit uns selbst. Bereits nach dem ersten Kontakt mit den Coaches war klar: Dieses Coaching wird persönlich.
An einem langen Wochenende nahmen wir uns Zeit für ehrliche Fragen:
Wer sind wir als Partner? Als Geschäftsführer? Haben wir darauf überhaupt noch Lust?
Wir sprachen über Werte, Stärken, Schwächen, Ängste und Herausforderungen. Unternehmerische Themen traten in den Hintergrund. Der wichtigste Lernmoment:
Wie wir uns selbst führen, prägt unmittelbar, wie unser Team arbeitet.
Kein neuer Gedanke – aber ihn wirklich zu verinnerlichen und zu leben, ist eine enorme Aufgabe.
Unsere Art der Selbstführung bildet das Fundament dafür, wie sich Menschen bei Railslove fühlen. Jedes Teammitglied ist identitätsstiftend, jede Person kann mitgestalten.
Diese Haltung war bereits Teil unserer Kultur – das Coaching bestätigte sie. Entscheidend dafür ist eine Kultur des Vertrauens, die Lernen, Fehler und Selbstorganisation zulässt. Menschen sollen ihre Potenziale entfalten, Verantwortung übernehmen und aktiv gestalten können.
Diese Kultur bewusst zu leben – im Büro, in Meetings, im Remote-Alltag, bei Retreats oder Mentorings – ist unser höchster Anspruch. Führung bedeutet hier vor allem: zuhören, Raum geben und stärken.
Relativ früh stellten wir uns die Frage: Können wir Führung langfristig zu zweit tragen?
Die Antwort war klar: eher nicht.
Im Coaching entstand die Idee einer Leitungsrunde, um Verantwortung breiter zu verteilen. Acht Kolleg:innen sollten uns strategisch entlasten und Führung gemeinsam gestalten.
Die Idee klang gut – bis sie Realität wurde.
Plötzlich war sie da: die Hierarchie. Klein, aber spürbar. Und ja, sie sorgte für Irritation. Genau davor hatten uns die Coaches gewarnt.
Nicht alle konnten diesen Weg mitgehen. Viele aber blieben. Mit Transparenz, Gesprächen und Reflexion wurde deutlich: Führung ist kein Titel, sondern ein gemeinsamer Prozess.
Ein Jahr nach dem Coaching haben wir große Schritte gemacht. Jetzt geht es darum, innezuhalten, weiter zu reflektieren und bewusst zu definieren, wie wir dem Team dienen und Inspiration geben können.
Konkret heißt das:
Transparenz über Visionen und Entscheidungen
Zugang zu Informationen
Förderung von Eigeninitiative
Verantwortung teilen, nicht abgeben
Leadership bleibt ein Lernprozess. Mit jedem neuen Teammitglied, jeder Veränderung und jeder Entscheidung bekommen wir die Chance, weiter zu wachsen.
Railslove ist weiterhin flach organisiert. Doch damit das mehr ist als ein Buzzword, braucht es Zugang, Vertrauen und die Erlaubnis, im Sinne gemeinsamer Werte zu handeln.
Hierarchie kann verbinden oder trennen.
Wir sind gespannt, wie wir ihre positiven Seiten weiterentwickeln – und freuen uns auf das, was kommt.
Was sind eure Erfahrungen als Geschäftsführer:innen? Wie händelt ihr Situationen, in denen Unterstützung von außen nötig ist, wie tragt ihr diese Themen in s Team weiter? Wir freuen uns auf Austausch