Wie gesunde Selbstführung und Vertrauen ein starkes Team schaffen - unsere Learnings aus dem Führungscoaching

WER HAT ANGST VOR HIERARCHIE?

Wir sind Tim und Jan, die CEOs von Railslove - Wir sind Freunde, wir denken nicht in Rängen, nächsten Stufen auf Leitern, es gibt keine Kontrolle oder autoritäres Gehabe, keine dedizierten Rollen. Seit unserer gemeinsamen Studienzeit haben wir nicht einmal die Bedeutung des Wortes Führung hinterfragt - wir wussten was es nicht ist! Von flachen Hierarchien, new work und modern Leadership sprach man noch nicht, wir auch nicht, denn eine Begegnung mit dem Team auf Augenhöhe, Vertrauen und Freundschaft war nur natürlich.  

Doch dann schlich sich bei uns ein Zustand ein, an dem wir Orientierung und Entlastung brauchten. Ende 2019 fehlte uns der Drive. Stress und Erschöpfung, begleitet von konstantem Zeitmangel und stagnierendem Wachstum (nein, wir reden nicht von Personal und Geld, sondern von Zielen und Ansprüchen, die wir als Team erreichen wollen, spannende Projekte die uns fordern). 

Eine Navigationshilfe musste her, da über uns niemand steht suchten wir die „selbständigen anonymen“ auf, eine Gruppe in der wir uns seit 10 Jahre austauschen, über Business und alles was damit zusammenhängt. Sebastian Deutsch, ein langjähriger Freund und Gründer von 9elements, erzählte von seinen Erfahrungen mit den Führungscoaches Heike und Mark mit dem Kommentar “die machen das anders”. 

Moment, Führungscoaching? Wir persönlich haderten schon bei der Bedeutung des Wortes - was wird uns da mitgegeben? Ein Methodenkoffer für gute Führung und Unternehmertum? Brauchen wir das überhaupt? Geht es um noch mehr Know How über Geschäftsmodelle, finanzielle Entwicklung, risikoreiche Entscheidungen? Hierarchien? Wird es esoterisch? Fakt war, es musste was passieren und Anfang 2020 kam uns der Lockdown daher nicht ganz ungelegen, jetzt oder nie!

DREI DINGE DIE WIR IM FÜHRUNGSCOACHING GELERNT HABEN

(Wir werden hier nicht die ganze Geschichte erzählen, aber die 3 wichtigsten Erkenntnisse, die uns bestätigt haben, dass das Coaching eine verdammt gute Idee ist.)

1. Me, Myself and I - lerne erst dich selbst zu führen

Natürlich gab es keine Tools, keine Businessmodells weit und breit und eine Einheitslösung für alle schon garnicht. Bereits nach dem ersten Kontakt mit den Coaches wurde uns klar, dass es in erster Linie eine sehr intensive Auseinandersetzung mit uns selbst wird. 

Wir vereinbarten nach mehreren Telefonaten ein langes Wochenende nahe Wuppertal. Die Atmosphäre ungezwungen, hilfreich und produktiv, das machte es uns leichter als es ernst wurde und wir zu verstehen versuchten wer wir als Partner, als Geschäftsführer sind. Haben wir darauf überhaupt noch Bock?

Sich ehrlich einschätzen, über Fähigkeiten, Werte,  Stärken, Schwächen reden, Baustellen klar benennen, authentische Selbstkritik, Ängste, Herausforderungen. Für alles war Platz und vorallem Zeit, eine tolle Erfahrung, unternehmerische Aspekte waren zweitrangig. 

Die Schlüsselerkenntnis? Wir müssen uns auch selbst führen, denn die Art und Weise wie wir das tun, färbt direkt auf das Team ab. 

Das mag kein neuer Gedanke sein, aber sich das vor Augen zu führen und sich dazu entscheiden dies verinnerlichen und leben zu wollen, ist eine irre Aufgabe.

2. Das Team, unser wertvollstes Asset

Unsere Art der Selbstführung bildet die Grundlage, auf der unser Team entscheidet, wie es sich anfühlt ein Teil von Railslove zu sein.

Jedes Mitglied ist ein identitätsstiftendes Element, jeder mit der Möglichkeit Architekt zu sein, um die wir uns mit ganzem Herzen kümmern wollen.

Sie spielen die Hauptrolle, das ist schon lange Bestandteil der Unternehmenskultur,  und wir sind froh, dass wir beim Coaching hierfür Bestätigung fanden. 

Dazu braucht es eine Kultur die auf Vertrauen und Offenheit beruht, die Lernen, Fehler und Selbstorganisation zulässt. Jeder soll seine Potenziale entfalten können, Freiheit auf den Gebieten bekommen, auf die er oder sie Bock hat und schlussendlich auch für Railslove gut einsetzen kann. Wenn jemand sein Bestes geben soll, muss er und sie auch aktiv mitgestalten können! Diese Kultur im physischen und virtuellem Raum, im Büro, in Meetings, beim Sommerfest, in Mentorings zu leben und zu ermöglichen ist unser höchster Anspruch- mit einer angenehmen und innigen Atmosphäre, die Individuelle Stärken weiter ausbaut und zuhört.

3. Führung als Qualität sehen und partizipative Verantwortung zulassen

Die Frage, die sich von Beginn an stellte war, ob wir das Ganze zu zweit weiterhin bewerkstelligen können? 

Wohl kaum, vor allem, wenn wir parallel unsere Wachstumsvision umsetzen und die neuen Erkenntnisse pflegen wollen. 

Im Coaching entstand so früh die Idee einer Leitungsrunde, die Idee Aufgaben bei Railslove breiter zu verteilen. Dafür wählten wir 8 unserer 25 Mitarbeiter aus, die uns auf strategischer Ebene entlasten und es einfacher machen sollen unsere Führungsstimme zu kultivieren. Wir pitchten die Idee in Einzelgesprächen und organisierten den ersten Workshop und Zack! Da war sie die Hierarchie, klein aber nicht wegzureden. Doch wer sollte sich da vor den Kopf gestoßen fühlen? Ist doch okay, oder? Denn für Kreativität und Motivation ist Hierarchie ein Fremdwort. 

Mark warnte uns, Hierarchie und neue Strukturen seinen giftige Wörter, Irritation in einem Team wie unserem vorprogrammiert. Und genau so kam es, was für ein Frusterlebnis. 

Viele fühlten sich ins kalte Wasser geworfen, beinahe fassungslos, und es stellte sich als komplizierteste Aufgabe heraus, doch auch das war Teil des Führungscoachings. 

Nicht alle sind den Weg weiter mit uns gegangen, der Großteil aber blieb,  und es tut gut zu sehen, dass wir mit viel Transparenz Führung als einen gemeinsamen Prozess und nicht als eine Person verstehen wollen. 

Jetzt hieß es nochmal den Turbo zünden, den Vibe aufrechterhalten, der Workshop-Termin für das restliche Team stand fest, mit Übernachtung, abschließend gemeinsam Kochen. Leider machte Corona uns einen Strich durch die Rechnung, jetzt länger als ein halbes Jahr vergangen und durch die Pandemie gibt es mehr nachzuholen denn je. 

Try, learn, repeat. Wie geht es weiter?

Das erste Treffen mit Heike und Mark liegt ein Jahr zurück, wir beide haben seit dem Coaching einige Sprünge nach vorne gemacht, jetzt müssen wir uns die nötigen Auszeiten nehmen, und immer weiter definieren wie wir aus unserer Rolle dem Team dienen und es inspirieren wollen. 

Konkret bedeutet das Transparenz rund um unsere Visionen zu zeigen, Zugang zu Informationen zu geben,  erklären warum und wie Entscheidungen zustande kommen, Eigeninitiative fördern. 

Letztes Wochenende haben wir Mark und Sebastian zu einer ausgiebigen Wanderung durch das Sauerland und einem langen gemeinsamen Kochabend getroffen. Führungskultur, Konflikte durch Hierarchie, Best-Practices in der Führung, Austausch von Unternehmensvisionen, und Selbstpositionierung: wo stehe ich, wofür stehe ich, wofür steht unser Unternehmen? Gute Gespräche!

Es werden weitere entwickelnde Updates mit 9elements folgen, Austausch über neue Probleme, Lösungen, Einsichten, eine emotionale Begleitung, die wirklich gut tut.

Das nächste Team Retreat ist in Planung, wir sind mittlerweile genauso viel Frauen wie Männer, was sich gut anfühlt.

Die Ergebnisse der Leitungsrundengespräche teilen wir mit den anderen, bereits nach den wenige Monaten können wir sagen, dass die Einführung der Runde Wirkung hat und etwas befreiendes mit sich bringt. Trotzdem ist das ganze Thema Leadership noch in den Kinderschuhen und mit jedem neuen Teammitglied bekommen wir die Chance neue Schritte zu gehen.

Railslove ist weiterhin flach strukturiert und jeder führt den anderen, aber damit diese Worte eine Bedeutung haben, muss das Team Zugang zu uns, zu Informationen haben und die Erlaubnis, auf eine Art und Weise zu handeln, die mit unseren Visionen und Werten übereinstimmt, aber trotzdem getrieben von EigeniInitiative.

Hierarchie kann vereinen und stützen oder herrschen und Distanz erzeugen. Wir sind gespannt wie wir die positiven Aspekte in der weiteren Zusammenarbeit aufbauen und weitertragen können.

Wir freuen uns auf das, was kommt.

P.S. Grüße an die anonymen Selbstsändigen, Zweitag, Rheinschafe, Interactive Pioneers und alle anderen, für den ehrlichen Austausch rund ums Unternehmerdasein mit all seinen Facetten.

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